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Signs of Hope – Zuflucht und Hilfe nach häuslicher Gewalt

Romy Stangl initiiert das Projekt SIGNS OF HOPE

Signs of Hope – Ganzheitliches Projekt, das umfassenden Schutz und Zuflucht für Frauen und Mädchen bieten wird, die häusliche Gewalt erfahren haben. Initiiert von Romy Stangl.

Signs of Hope – Schutz und Zuflucht für Frauen und Mädchen

Das Thema körperliche und seelische Gewalt im häuslichen Umfeld an Mädchen und Frauen ist nach wie vor auch in Deutschland ein Thema, was noch immer zu sehr unter dem Deckmantel des Schweigens gehalten wird. Aber doch geschieht es Tag für Tag hinter der nächsten Tür, im Nachbarhaus. Die Dunkelziffer ist hoch. Die Opfer schweigen aus Scham, aus Angst und Hilflosigkeit. Es ist wie eine Ohnmacht, aus der du keinen Ausweg findest. Du fühlst dich beschmutzt und doch wehrst du dich nicht oder findest nicht die Kraft zur Polizei zu gehen oder zu fliehen, da es meist Menschen sind die dir nahe stehen, denen du vertraust, die du liebst.

An dieser Stelle komme ich nicht umhin, auch wenn es mir immer noch schwerfällt darüber zu sprechen, auch in meinem Leben habe ich körperliche und seelische Gewalt erfahren im Elternhaus, sowie in einer Partnerschaft. Diese Wunden werden nie ganz heilen, aber ich habe es geschafft aus eigener Kraft und mit Hilfe von Menschen und Institutionen, die mir in diesen dunklen Zeiten Halt und Unterstützung gegeben haben, dass ich heute in den Spiegel blicken und mir sagen kann: „Jetzt liebe ich mich für das was ich bin. An einigen Tagen tue ich es nicht, ich denke es kommt darauf an, dass ich es versuche, dass ist alles was zählt.“

Aus dieser Kraft und „Neugeburt“ heraus, möchte ich ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Verein Terres des Femmes e. V. im Kampf gegen Gewalt an Frauen ins Leben rufen in meiner jetzigen Heimatstadt München.

Unter dem Namen „Signs of hope“ möchte ich eine Institution/ein Haus schaffen, welche unter einem Dach das vereint, was Frauen und Mädchen, die aus häuslicher Gewalt Zuflucht und Hilfe suchen, brauchen, um sich verstanden, beschützt zu fühlen und die Hilfe und Unterstützung erhalten, damit sie Kraft und Hoffnung finden und eine neue Perspektive im Leben erhalten. Anwälte, Psychologen, Streetworker, Kinderbetreuung, Wohnraum, um nur einige wichtige Schwerpunkte zu nennen. Im Moment sind es Puzzleteile in meinem Kopf, die sich Stück für Stück zusammensetzen und dieses Projekt formen. Meine ehrenamtliche Tätigkeit für Terres des Femmes e.V. im Bereich „häusliche Gewalt“ seit letztem Jahr bildet die Basis für die Organisationsgründung von „Signs of Hope“ in 2018.

Ich habe im letzten Jahr in München mit einer Vortragsreihe gestartet im Rahmen des Tages der häuslichen Gewalt am 25.11.2017, welche sich dieses Jahr am 14.02.2018 beim 1 Billion Rising Day fortsetzen wird, auf welchem ich in München sprechen werde. (Hier der Redebeitrag)
Informationen über One Billion Rising auf wikipedia.

Ich möchte in der ersten Hälfte diesen Jahres deutschlandweit Vorträge halten, um den Menschen einen Status quo näher zu bringen, um die Brisanz dieser Thematik in Deutschland und weltweit darzulegen.

Ab Mitte diesen Jahres ist von mir geplant, verschieden Spendenaktion durchzuführen, um die Grundfinanzierung für das geplante Haus zeitnah zu ermöglichen. Außerdem sind eine thematisches Musikvideo, sowie eine Plakatkampagne geplant.

Wir haben es in der Hand etwas zu bewegen – jeder einzelne von uns auf seine Art und Weise.

Kontakt:
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Update 22.3.2018:

Signs of Hope – Schritt 1 – Aufklärung und Prävention an Schulen

Ein Kind ist mehr als das Spiegelbild der Eltern, aber nie weniger. Es liegt in unserer Hand unseren Kindern die „richtigen“ Werte zu vermitteln und vorzuleben, die ihnen Wurzeln geben und Flügel wachsen lassen, sie selbstbewusst und stark werden lassen, in Liebe und Achtung zu sich selbst und ihren Mitmenschen, für ein Leben ohne Gewalt.

Ich werde in Zusammenarbeit mit One Billion Rising München in den nächsten Wochen einen Vortrag und ein Präventionskonzept erarbeiten, welches sich an Eltern richtet, um aufzuklären was ist der Status quo in Deutschland (Fakten und Zahlen) zum Thema Gewalt, was geht in Kindern vor welche Gewalt erleben und miterleben, daraus resultierende Spätfolgen und was können wir tun, um diese Spirale die sich daraus ergibt in der Basis umzulenken in ein respektvolles und menschliches Miteinander.

Ich werde es an Schulen in und um München den Eltern vorstellen. Der erste Termin an einer Schule wurde gestern fix gemacht und ich wünsche mir und arbeite daran, dass noch weitere folgen. Und hier brauche ich eure Hilfe. Wo in Deutschland Bedarf und der Wunsch besteht dieses Präventionskonzept vorzustellen gebt mir bitte Bescheid. Dafür wird in naher Zukunft eine Plattform geschaffen welche es ermöglicht, sich auszutauschen, Hilfen zu geben, zu informieren.

Bis dahin schreibt mir eure Vorschläge und Informationen per PN.
Ich danke euch von Herzen.

 


Romy Stangls Redebeitrag bei One Billion Rising 2018 in München

Quelle:
Redebeitrag von Romy Stangl bei One Billion Rising in München am 14.2.2018

München 2018 – One Billion Rising

 

Romy Stangl

Romy Stangl von der Städtegruppe München TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. , engagiert sich auch bei One Billion Rising München e.V.

Romy Stangl kennt das, worüber sie sprechen wird. Sie ist mutig genug, über ihre eigene 4-jährige Gewalterfahrung öffentlich zu sprechen. Neben aktuellen Zahlen zum Thema (jede 3. Frau ist betroffen) wird sie auch über die Zeichen der Hoffnung mit Inkrafttreten der Istanbul Konvention zum 01.02.2018, der Kampagne #metoo und über ihr eigenes Projekt “Signs of Hope” berichten.

Unter dem Namen „Signs of Hope“ möchte sie eine Institution schaffen, die unter einem Dach das vereint, was Mädchen und Frauen, die aus häuslicher Gewalt Zuflucht und Hilfe suchen, brauchen, um sich verstanden und beschützt zu fühlen und Kraft und Hoffnung für eine neue Perspektive im Leben erhalten.

Romy Stangl spricht bei der One Billion Rising Veranstaltung am 14.2.2018 in München. Hier ein kurzer Video-Mitschnitt:

Video-Kommentar von “Mokka Spectrum”:
“Bilder von der extrem mutigen Romy Stangl heute auf der Marienplatz Bühne mit Ihrer zu tiefst berührender Lebensgeschichte. Ein hohes Lob an Romy für Ihre Stärke, Willen und großen Mut, den Sie heute mal wieder in aller Öffentlichkeit, in voller Ehrlichkeit gezeigt hat! Danke an alle die da waren, Leben und Leid verbindet uns! Ich hoffe es trauen sich mehr und mehr hervor zu kommen und sich der Gewalt gegen Frauen zu stellen, davon weg zu kommen, und den langen Prozess des Heilens an zu beginnen. One Billion Rising!”

 

Hier die Rede von Romy Stangl im Wortlaut:


“Ich war 7 als ich in meinem Urvertrauen erschüttert wurde. Mein Vater schlug mich vor den Augen meiner gesamten Familie wieder und wieder, er nannte mich Bastard und seine großen Hände schlugen wieder und wieder in mein Gesicht, und ich sah hilfesuchend mit Tränen in die Augen, meiner Mutter, hilf mir bitte schrie ich, aber sie saß da mit Angst und Tränen in den Augen weil er auch sie gebrochen hatte , sie zum Schweigen brachte durch Demütigungen und Schläge. Als er fertig war und ich vor Schmerz gekrümmt, weinend in meinem Bett lag, saß er neben mir und streichelte mir mit seinen großen Händen über´s Gesicht und meinen ganzen Körper zitternd und sagte es tut mir leid, ich liebe dich. Meine kleine Seele schrie und war gebrochen: Papa warum tust du mir weh – ein Kind sollte solche Schmerzen nicht erleiden und mit ansehen müssen, den es wird für den Rest seines Lebens davon verfolgt und ihm wird die Grundlage genommen zu vertrauen. Hände sollten ein Gesicht in Liebe berühren und nicht in Gewalt.

Ich war 14, als mein Halbbruder mich vor den Augen seiner damals dreijährigen Tochter fast umbrachte mit den Worten du bist eine Schande für diese Familie und ich bring dir bei dich unterzuordnen. Er presste mich gegen eine Wand und schlug mich wieder und wieder, würgte mich und sagte, dass ist das einzige was dir hilft zu begreifen. Warum tust du mir das an du bist mein großer Bruder?

Mit 19 verließ ich mein Elternhaus, meine Eltern geschieden und meine Mutter gab mir die Schuld dafür und hat seitdem kein Wort mehr mit mir gesprochen. Für mich stand fest mir wird das nie wieder wiederfahren das ein Mann die Hand gegen mich erhebt.
Doch es sollte anders kommen …

Es ist ein rauer Herbsttag vor 11 Jahren als ich mit meinem damals 4 jährigen Sohn aus einer 4 jährigen Hölle der Gewalt mit einem Mann floh, welcher mich über 4 Jahre seelisch und körperlich misshandelte, mich einsperrte, mich vergewaltigte. Mich mit der Faust ins Gesicht schlug und mir dann mit einem Lächeln auf dem Gesicht in die Augen schaute und sagte „Jetzt erinnere ich dich an deinen Vater“.

Ich bin dieser Hölle entkommen und ich möchte an dieser Stelle Sybille Stotz danken in deren Frauenhaus ich Hilfe und Wärme erfuhr und stehe heute hier und frage mich warum muss jede dritte Frau dieses Leid und diese Demütigung ertragen, warum wird dieses Thema immer noch unter einem Denkmantel des Schweigens versteckt. Es wird Zeit sich zu erheben, darüber zu sprechen, Aufklärung zu betreiben wie die Realität aussieht, Hilfen und Perspektiven zu schaffen, und gemeinsam denen die keine Stimme haben zu helfen. Metoo ist erst der Anfang und ich wünsche mir das noch viele Frauen den Mut finden darüber zu sprechen und das wir uns bewusst werden „Ich bin nicht allein“. Allein sind wir ein Funke aber gemeinsam können wir eine Stimme werden die gehört werden wird.

Erste Schritte zeigen es gibt Hoffnung für den Weg des Erkennens und der Schaffung von umfassenden Hilfen und Perspektiven. Die Istanbulkonvetion, welche seit Februar in Kraft getreten ist ein umfassendes Werk welches jeder einzelnen von uns die Möglichkeit gibt sich darauf zu berufen und die rechtlichen Hilfe und Unterstützung zu erfahren welche Mut machen, welche dringend notwendig sind um ein neues Leben frei von Gewalt für Frauen und Kinder zu erreichen Stück für Stück.

Es ist Zeit Zeichen der Hoffnung zu setzen im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Gewalt die Frauen jeden Tag wiederfahren. Deshalb habe ich beschlossen aus meiner Neugeburt heraus ein Projekt aufzubauen dessen Ziel es ist Lücken in der Nachsorge von Frauen und Kindern die häusliche Gewalt erfahren haben zu schließen und auch weiterhin für Perspektiven zu kämpfen um Frauen Mut und Kraft zu geben und auch andererseits Aufklärung zu diesem Thema zu betreiben.

Es wird Zeit hin und nicht wegzusehen. Wir haben es in der Hand etwas zu bewegen. Jeder auf seine Art und Weise.”

 

Verfasserin:
Romy Stangl

Kontakt:
Facebook
Instagram

(Terre des Femmes München & Signs of Hope)
für ONE BILLION RISING München und ONE BILLION RISING Deutschland


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